2025 Stoff & Holz, Voierie, Biel

Interview anlässlich der Vernissage in der Voierie

 

Wie bist du dazu gekommen, textile Bilder herzustellen?

Der Anfang liegt in meiner Kindheit. Meine Mutter hatte Schneiderin gelernt und nähte zuhause Kleider für andere Frauen. Ich konnte ihr oft helfen dabei - beim Heften, Säumen und Flicken. Ich liebte dieses Miteinander in meinem Kinderzimmer, das gleichzeitig auch das Nähzimmer war. Leider durfte ich nie an die Nähmaschine, sie war zu wichtig, zu kostbar. 

Stoff war kostbar, kleinste Reste wurden in einer Schachtel aufbewahrt. Meine Mutter konnte die Stoffe mit Namen benennen, sie wusste über ihre Eigenschaften immer etwas zu erzählen. Diese Schachtel war für mich, ich durften sie durchwühlen und für Bastelarbeiten und kleine Geschenke nutzen.

Der Bruder meines Vaters, mein Patenonkel, war Grafiker. Bei ihm zuhause roch es wunderbar, denn er malte Ölbilder. Gerne wäre ich Grafikerin oder Fotografin geworden, worin mich mein Zeichnungslehrer unterstützte. Er kam sogar zu uns nachhause für ein Gespräch. Doch er konnte meine Eltern nicht für diese Berufswahl überzeugen. 

So wurde ich Lehrerin. Ich besuchte Abendkurse im gestalterischen Bereich: Fotografie, Farbe und Form, Aktzeichnen, Goldschmieden und Holzschnitzen. Eines Tages sah ich in einem Buch wunderbare Quiltarbeiten von amischen Frauen. Bei einer erfahrenen Quilterin erlernte ich die verschiedenen Techniken. Eines war sofort klar: Ich hatte mein Gestaltungsmaterial gefunden, es war der Stoff, die Stoffe. Es entstanden kleine und grosse Decken und Bettüberwürfe. Von einem benachbarten Laden für Vorhänge und Polstermöbel bekam ich alte Musterbücher, und FreundInnen und Bekannte schenkten mir Stoffresten und alte Kravatten.

Eines Tages fragte ich mich, warum nähe ich immer so grosse Decken? Ich könnte doch auch kleinere Formate nähen, Bilder nähen. Das beflügelte mich und ich machte mich an die Arbeit. Zuerst entstanden Bilder, die das Thema «Jahreszeiten» hatten.

 

Wie arbeitest du, wie gehst du dabei vor?

Es sind die Themen, die mich beschäftigen, die ich mit mir herumtrage. 

Mehr als 45 Jahre lebte ich in Luzern. Durch meine Heirat kam ich nach Biel. Was ist Heimat für mich, ist es immer noch Luzern oder hat sich da etwas verändert? Ich suchte Motive, die für mich mit Heimat zu tun haben – es entstanden die «Heimaten».

In einem Heft sah ich wunderbare Fotos aus dem All, die das Teleskop Webster gemacht hatte. Diese Unendlichkeit und die Schönheit des Himmelsraums war faszinierend - ich nähte die «Sternenbilder» und die «Bilder aus dem All».

Es gab eine Zeit, da wusste ich nur, dass ich weiterarbeiten will, aber zu welchem Thema, das war mir nicht klar. Eine alte Methode in solchen Situationen ist, dass man sich Zeit nimmt und mit einer drängenden Frage den Weg durch ein Labyrinth geht. Also entschied ich mich ein Labyrinth-Bild zu nähen. Das war mein erstes Meditationsbild oder Kreisbild. 

Immer wieder denke ich über meinen Lebensweg, meine Biografie nach. Fragen wie, was muss noch sein und wofür bin ich dankbar, beschäftigen mich? Es entstanden die Kreisbilder «Immer wieder», «Zuversicht», «Hoffnung», «Heiterkeit», «Dankbarkeit» und «Leichtigkeit».

 

Betrachtest Du dein Schaffen als Kunst oder als Handwerk?

Im Alltag zuversichtlich und optimistisch sein, ist nicht immer leicht. Es gibt Menschen, die brauchen für ihr Gleichgewicht und ihr Wohlbefinden den Sport, andere brauchen Literatur, Musik oder Geselligkeit, wieder andere müssen Malen oder Töpfern. Wenn ich meine Lebens-Themen mit Stoff bearbeiten kann, dann geht es mir gut.

Ob das ein Handwerk oder eine Art von Kunst ist, das weiss ich nicht. Ich weiss einfach, dass es mir guttut, dass ich dabei ruhig, konzentriert und zufrieden bin.

Biel im März 2025

Ausgestellte Bilder